25. Spaziergang im Unbefleckten Garten Mariens – Die Zuvorkommenheit und Hilfsbereitschaft

1. Erkundung des Unbefleckten Gartens

Die gequälte Seele findet im Unbefleckten Garten Schutz, Schirm und Trost in allen möglichen Formen. Jedes belastete Herz, jede Not leidende Seele, jede Seele, die aus welchem Grunde auch immer einen Zufluchtsort, einen Ort der Geborgenheit oder einen Ort der Erquickung sucht, findet dort die ausgedehnten Laubwälder mit ihrer breiten Laubdecke als Symbol für totalen Schutz, für das Aufgenommenwerden in eine Kraft, welche die Seele auf die zärtlichste Weise gleichsam in sich schließt, in eine Umhüllung von Leben.

Die Laubbäume mit einer weiten Blätterdecke stehen für Maria symbolisch für die Hilfsbereitschaft und die Gastfreundlichkeit: Sie schirmen die Seelen gegen die Platzregen der Welt ab, gegen die bittere Not des Leibes, und beherbergen sie, wenn sie sich woanders unbeschützt fühlen.

Der Unbefleckte Garten ist ferner ebenfalls mit zahllosen Arten herrlicher Ziersträucher besät, Symbole für die Zuvorkommenheit und den Trost, weil sie oft bereits den Frühling ankündigen, noch bevor der Winter vorbei ist, und also mit ihrer trostvollen Blumenpracht gleichsam die Not der Seelen vorwegnehmen, noch bevor diese gut und wohl erkennen, dass sie eine Not haben: Die Ziersträucher bieten bereits den ersten Trost des Frühlings, während der Beobachter sich noch nicht getraut hat, die Idee des nahenden Frühlings zu sich durchdringen zu lassen.

Ihr ganzes irdisches Leben lang wird die Himmlische Seele von Maria es als die Krönung Ihres Selbstopfers an Gott betrachten, wenn Sie Sich Selbst in jeder Hinsicht für Ihre Mitmenschen auspressen lassen kann. Sie ist selbst arm, doch gibt von Ihrem kleinen Besitz noch allerlei Dinge weg und gibt den Notleidenden vor allem die Himmlische Kraft und Himmlische Erkenntnisse aus Ihrer Seele. Jede Seele, die in Not zu Maria kommt, geht zumindest in der Seele erleuchtet von Ihr weg, erfüllt mit neuen Erkenntnissen.

Obwohl Sie Sich auf meisterhafte Weise den Eindrücken verschließt, die aus der Welt heraus auf Sie zukommen, scheint Sie eine Art zusätzlichen Sinn für das Empfinden von Not und Bedürfnis an Hilfe zu haben. Bereits als kleines Kind scheint es, dass Maria ausgerechnet dort zu finden ist, wo Menschen Hilfe gebrauchen können. Sie springt Ihrer Mutter Anna im Haushalt bei. Regelmäßig bietet Sie mit Eifer Ihre Dienste als „Nachrichtenmädchen“ zwischen Mutter Anna und Vater Joachim an, wenn dieser Letztere irgendwo (manchmal Kilometer weit) mit einer Anzahl von Schafen auf dem Feld ist. Nicht selten zeigt Sie Sich auch „zufällig“ in dem Dorf anwesend, wenn dort die eine oder andere ältere Dame oder der eine oder andere ältere Herr dringend Hilfe benötigen, jedoch die eigenen Kinder oder Kleinkinder weit und breit nicht zu erspähen sind.

Während Ihrer Jahre als Tempeljungfrau zu Jerusalem bietet Sie Sich Selbst oft als Freiwillige für das Ausführen von kleinen Arbeiten an, die die meisten anderen Tempeljungfrauen scheuen. Regelmäßig wird Sie Ihrer Betreuerin, wenn diese sagt: „Du bist noch lange nicht an der Reihe, Maria“, mit glänzenden, erwartungsvollen Augen antworten: „Ich bitte Dich, Gott verlangt dies von Mir. Wenn dies nicht so wäre, würde in diesem Augenblick nicht Ich, sondern eine Seiner anderen Dienerinnen vor Dir stehen. Erlaube du Mir, dass Ich Ihn nicht enttäusche.“ Sie sagt dies in einem so bezaubernden Ton, dass keine Seele Ihrer Bitte widerstehen könnte.

So springt Sie auch mehrmals freiwillig ein, um nach Ihren eigenen Aufgaben auch diese von einer oder sogar zwei kranken Jungfrauen zu übernehmen, sodass Sie über Tage und sogar Wochen von der Morgendämmerung bis spät in den Abend am Werk ist. Wenn Ihre Betreuerin Ihr dies verbieten will, weil Sie Ihre Ermüdung nicht weiterhin verbergen kann und die betagte Dame auch meint, dass Maria Ihre anderen Pflichten (Bibellektüre und Gebet) wird vernachlässigen müssen, sehe ich Maria vor ihr auf die Knie gehen und mit Nachdruck sagen: „Ich bitte dich, geruhe, Meine Unwürdigkeit nicht zu strafen, indem du Mir die Gelegenheit nimmst, dem Gott Israels zu dienen, damit Er auch in Seiner niedrigsten Dienstmagd Sein Wohlgefallen finden möge. Ich verspreche dir, Ich preise Seinen heiligen Namen auch während der Arbeit und ich bin bereit, dich von Meinen Fortschritten in der Kenntnis der Schrift zu überzeugen, jedes Mal, wenn es dir gefallen sollte.“ Dies sagte Sie, während Sie bereits bei Ihrer Geburt eine vollkommene Kenntnis der Schrift besaß, doch dies aus Demut niemandem bekannt machen wollte.

Nach Ihrem langen Tagespensum betet Sie noch über längere Zeit hinweg kniend um „Vervollkommnung, damit ich Dir morgen würdig dienen möge“. Es ist bei einer von solchen Gelegenheiten, dass ich Sie nachts von einem Teufel Besuch bekommen sehe (16. Spaziergang im Unbefleckten Garten Mariens).

Überall, wo Sie Sich befindet, ist Maria wie eine auflodernde Flamme von Liebe, eine Himmlische Blätterdecke von Schutz, Ermutigung, Beistand, Trost, Geborgenheit, Hilfe. Für jede Form von Not an Seele, Herz, Geist oder Leib finden viele Seelen den Weg zu Ihr. Sie besitzt eine mächtige Gabe von Heilung, durch Handauflegen und sogar durch einfache Akte Ihres Willens, aber nur ein paar Seelen sollten dies jemals wissen. Regelmäßig wendet Sie diese Gabe an, doch Sie lenkt dabei die Aufmerksamkeit von Sich ab, indem Sie gleichzeitig dem Kranken Ihre heilkräftigen Kräuter zu trinken gibt oder einen Verband mit heilkräftiger Salbe anlegt.

Inzwischen „bearbeitet“ Sie den Krankheitsverlauf über den geistigen Weg. Wenn der Kranke Ihr (in der Regel überraschend schnell) dankt und Sie für Ihre Arbeit lobt, macht Sie davon Gebrauch, um Gott zu preisen: „Preis sei unserem Gott, der diese Kräuter in Seinem Garten, der „Erde“ heißt, gesät hat und Der dich durch sie mit Seiner heilenden Liebe in Berührung gebracht hat.“ Durch diesen Versuch, alle Ehre von Sich wegzuleiten, tut Sie übrigens der Wahrheit keine Gewalt an; denn Sie bewirkt die Heilung in der Tat durch die Liebe.

Ich sehe Sie die heilkräftigen Salben und Tinkturen eigenhändig bereiten, auf der Basis von Pflanzen aus Ihrem eigenen Garten und aus der blumenreichen Natur vieler Landstriche von Galiläa. Ich sehe Sie vor der Bereitung von Salben diese Blumen ziehen lassen und den Extrakt mit Öl vermischen, während Sie inbrünstig betet und Gott bittet, dass Seine heilende Liebe in diesen Medizinen ruhen möge. Bei der Versorgung von Kranken sorgt Sie an erster Stelle möglichst für eine Atmosphäre von Stille, Ruhe, Gebet und Lobpreis an Gott.

Regelmäßig sehe ich Sie in allerlei Arbeiten im Dienste von Bäuerinnen beispringen. Alle Arbeiten, die Sie im Dienst von anderen verrichtet, umkleidet Sie mit Gebeten, sogar mit sanften Gesängen religiöser Themen. Ich höre Sie als Frau im Alter von ungefähr zwanzig Jahren sanfte Selbst gemachte Gebete singen, mit einer Stimme wie eine Nachtigall. Solche Gesänge wird Sie ebenfalls hören lassen, wenn Sie kranke kleine Kinder „behandelt“. Von Ihren Gesängen geht ein außergewöhnlich Ruhe gebender Effekt aus.

Maria nimmt niemals Geld für einen Dienst an. Allenfalls erlaubt Sie Ihrem Mitmenschen, dass dieser Ihr etwas in Form von Sachleistungen schenkt, vor allem, wenn Sie der Meinung ist, dass Sie damit Josef oder Jesus Freude bereiten kann (etwas, was Sie in der Küche gebrauchen kann oder um ein Kleidungsstück zu machen). Sie scheut also Belohnungen für Sich Selbst, aber nimmt diese wohl an, wenn Sie darin eine mögliche Quelle von Freude für andere sieht. So sind der Seelen, die Marias Wohltaten erfahren, mehr als Zigtausende, und diejenigen, die Ihre Hilfe im Verborgenen empfangen (durch stilles Gebet, Opfer, Abtötung und Bußetun) sind mindestens ebenso zahlreich.

Maria wartet nicht, um einzugreifen, bis eine bestimmte Not bereits ihre Auswirkungen bemerkbar gemacht hat. Sie wird Sich oft bereits der Not in einem Augenblick annehmen, in dem diese noch dabei ist zu entstehen. In den ersten Tagen des Öffentlichen Lebens Jesu ist Sie, ebenso wie Jesus und die ersten Seiner Apostel, zu Kana auf einer Hochzeit. Sie bemerkt dort in einem gegebenen Augenblick, dass die Gäste so gut wie keinen Wein mehr haben und verrichtet dort Ihren ersten Akt der öffentlichen Fürsprache, indem Sie zu Jesus sagt: „Sie haben keinen Wein mehr.“ Sie sagt dies nicht, weil Sie dies persönlich betrifft (denn ich sehe Sie auf dieser Hochzeit nichts anderes trinken als Fruchtsaft und eine Art Getränk auf der Basis von Honigwasser), sondern nur, weil Sie Ihren Mitmenschen keine Freude vorenthalten will.

So wie zu Kana wird Maria Ihr ganzes Leben lang sein: Sie greift immer den Nöten des Mitmenschen vor. Wenn Josef außer Hause bei der Arbeit ist, besteht die Gastfrau oder der Gastherr oft darauf, dass er mit ihnen isst. Dennoch sieht Maria dann immer zu, ihm Früchte und bzw. oder selbstgebackenen Honigkuchen mitzugeben, vor allem, wenn Sie voraussieht, dass er einen längeren Arbeitstag haben wird und bzw. oder wenn die Gastfamilie arm ist: Sie sieht dann sogar diese Nahrungsmittel für diese Menschen vor. Während des Öffentlichen Lebens Jesu wird Sie manchmal Nahrungspakete bereitmachen und diese Jesus zustellen lassen, weil Sie weiß, dass Er in dem Feuer Seiner Mission oft zu essen „vergisst“.

Die Zuvorkommenheit ist in Maria so stark, weil Sie ein außergewöhnlich großes Vermögen, Sich in die Situation und die Bedürfnisse Ihres Mitmenschen einzuleben, ebenso besitzt, wie eine totale Selbstverleugnung, einen absoluten Sinn für Nächstenliebe und ein vollkommen geöffnetes Herz. Dadurch ist Maria Ihr Leben lang ein lebendes Zeichen der Erziehung in der Nächstenliebe: Jeder, der Sie beschäftigt sieht, wird ohne Worte im Herzen berührt durch Ihren Einsatz und die Weise, auf die Sie immerzu da ist, wenn ein Mitmensch in Nöten verschiedenster Formen Betreuung braucht. So bleibt Sie Ihr Leben lang ein lebendiger Spiegel von Gottes Gegenwart für Ihre ganze Umgebung.

Die weite Blätterdecke in dem Unbefleckten Herzen ist das Schild von Trost, Hoffnung und Geborgenheit, das die Seele erfährt, wenn sie sich Maria anvertraut hat. Maria setzt die handelnde und voraussehende Liebe von Gottes Vorsehung auf so vollkommene Weise gegenwärtig, dass die Seelenblume sich bereits nur durch die Sicherheit Ihrer Anwesenheit geöffnet fühlt.

 

2. Befruchtung der Seele im Unbefleckten Garten

Ich lasse mich durch die endlosen Schönheiten im Unbefleckten Garten von Maria, die unermüdliche Hilfsbereitschaft ausstrahlt, in Verzückung bringen. Ich biete Ihr mein Herz an, damit ich bereit bin, total in Ihr aufgenommen zu werden. Ich verlange so sehr, dass die Herrlichkeiten des Lustgartens der Allerheiligsten Dreifaltigkeit in mich überfließen können.

„O Maria, Unbefleckte Königin von Zeit und Ewigkeit, wie sehr wünsche ich, in Deinem Garten mit der Saat des Göttlichen Lebens befruchtet zu werden.

Darf ich aus den Quellen Deiner unübertroffenen Heiligkeit trinken?

Darf ich von den Früchten Deiner Tugenden essen?

Darf ich mich mit dem Tau des Heiligen Geistes reinigen?

Darf ich an den Verzückungen Deiner Schönheit von Herz und Seele Anteil haben?

Darf ich den Schutz Deiner Macht über alle Versuchung und Sünde genießen?

Darf ich in Dir in der Brise der Ewigen Wahrheit aufgerichtet werden?

Geruhe, mich von der Schwäche meiner verletzten Seele zu heilen.

O Unbefleckter Garten aus Gottes Hand, geruhe, mir die vollkommene Einheit mit Dir zu erwirken, damit ich in Deiner Nachfolge zum Bild und Gleichnis Gottes werden möge.“

O Spiegel von Gottes Licht, während des Aufenthaltes in Deinem Unbefleckten Garten darf ich die Blumen und Früchte schauen, die der arme Garten meiner Seele braucht, um gesund und fruchtbar zu werden und zu bleiben. Ich bitte Dich, Deine Saat des Göttlichen Lebens mit Dir teilen zu dürfen:

1. Herrin meiner Seele, kein Mensch konnte Sich Dir mit Nöten nähern und nicht mindestens erleuchtet von Dir weggehen. Ich bitte Dich, gieße in mich das unlöschbare Verlangen, meinem Mitmenschen in all seinen Nöten beizustehen und dabei meine eigenen Bedürfnisse in den Hintergrund zu stellen.

2. Herrin meiner Seele, für Dich war Nächstenliebe wahre Selbstaufopferung bis zum Äußersten. Ich bitte Dich, wecke in mir die Selbstverleugnung, die mich dazu anspornen soll, das Kreuz meines Nächsten tragen zu helfen, damit er seinen Lebensauftrag weiterhin erfüllen kann. Möge ich dadurch Gottes Heilsplan näher zu seiner Verwirklichung bringen.

3. Herrin meiner Seele, jedes Not leidende Wesen, ohne Ausnahme, berührt den Kern Deines Herzens. Ich bitte Dich, vertreibe aus mir alle Gefühllosigkeit und Gleichgültigkeit für das Los meines Mitmenschen.

4. Herrin meiner Seele, Dein Herz ließ Dir keine Ruhe, bis die Not eines Nächsten gelindert war. Ich bitte Dich, lass mich so wie Du für die Not meines Mitmenschen ein Auge haben, noch bevor dieser mich um Hilfe bitten kann oder die Not ihn wirklich bedroht.

5. Herrin meiner Seele, Nächstenliebe war für Dich ein Vorrecht. Ich bitte Dich, wecke in mir die aufrichtige Freude in der selbstlosen Dienstbarkeit gegenüber meinem Nächsten.

6. Herrin meiner Seele, Du bist für alle Jahrhunderte wie ein Wald von Schutz und Zuflucht. Ich bitte Dich, mache mich in Deiner Nachfolge zu einem Ort der Zuflucht, des Trostes, der Ermutigung und Geborgenheit und zu einem Zeichen von Gottes Vorsehung und Liebe.

 

3. Blüte des eigenen Gartens – Marias Frühling in der Seele

Wie klein unser Seelengarten auch ist, dennoch hat der Schöpfer in ihm den Raum für die Anpflanzung großer Laubbäume und Ziersträucher vorgesehen, die unserem Mitmenschen zur Stütze, Ermutigung und Trost werden können. Notwendig ist dazu nur, dass wir hinreichend großherzig sind. Großherzigkeit ist in diesem Sinne als die Verfassung zu betrachten, die Gott dazu veranlasst, unseren Seelenboden auszuweiten, um uns zu befähigen, in unserer Seele einen „beschützenden Wald“ für unseren Mitmenschen einzurichten.

Wie machen wir unsere Seele bereit, die Hilfsbereitschaft und Zuvorkommenheit in uns wachsen zu lassen?

1. Gehen wir automatisch davon aus, dass sehr viele Seelen in vielerlei Hinsichten schlechter dran sind als wir. Aus dieser Verfassung heraus werden wir lernen, uns mit Herz und Seele für unseren Nächsten einzusetzen.

2. Lernen wir, uns in unseren Not leidenden Nächsten vollkommen einzuleben. Stellen wir uns seine Situation vor, als ob es die Unsere wäre, und reagieren wir dann so, wie wir wollen, dass andere reagieren sollen, wenn wir uns in einer ähnlichen Situation befinden.

3. Versuchen wir, uns darin zu üben, dort, wo es möglich ist, den kommenden Bedürfnissen unseres Mitmenschen „vorzugreifen“. Es gibt oft eine Vielfalt an Gelegenheiten, die es uns ermöglichen, ohne neugierig zu sein, zu ermitteln oder festzustellen, wo die regelmäßig wiederkehrenden Bedürfnisse unseres Mitmenschen liegen.

4. Stellen wir uns lebendig vor, dass jeder Mitmensch Jesus oder Maria ist, die auf die eine oder andere Weise Not leiden. Maria sah auch Gott in Ihrem Mitmenschen und versuchte, Ihm in allen Seelen zu dienen. Nicht ohne Grund sagt Jesus, dass alles, was eine Seele für eine andere Seele tut, sie eigentlich für Ihn getan hat, und dass alles, was sie für eine andere Seele nicht tut, sie ebenfalls für Ihn nicht getan hat.