21. Spaziergang im Unbefleckten Garten Mariens – Die Hoffnung
1. Erkundung des Unbefleckten Gartens
Der Unbefleckte Garten ist schlechthin das Symbol des Ewigen Frühlings. Frühling ist die Blütezeit, die Jahreszeit, in der das Geschaffene seine Fruchtbarkeit zum Ausdruck bringt und seine Schönheit entfaltet als Zeichen für den Sieg Gottes, des Lichts und des wahren Lebens über die Finsternis und den Tod. Die Kälte macht für Wärme Platz. Die Schöpfung wirft ihr schützendes Winterkleid von sich ab und zeigt sich gleichsam, wie Gott sie wirklich bestimmt hat.
Im Unbefleckten Garten wird diese Botschaft auf eine besondere Weise durch die Narzisse überbracht, Symbol für den Frühling und auch für Ostern, die Auferstehung nach Leiden und Tod. Die Narzisse ist dabei denn auch die Botschafterin für die Hoffnung; denn wenn sie erscheint, kündigt sie damit die fruchtbarste Periode der ganzen Schöpfung an.
In Maria ist die Fruchtbarkeit immer maximal gewesen: Ihre Heiligkeit ist vollkommen. Heiligkeit verleiht der Seele einen Einfluss auf Gottes Herz, einen Einfluss, der in dem Maße größer wird, wie die Heiligkeit eine höhere Ebene erreicht. In Maria hat die Heiligkeit die allerhöchste Ebene erreicht, die für eine geschaffene Seele erreichbar ist. Aus diesem Grunde ist die Macht von Maria über Gottes Herz so groß, dass Sie Selbst total in Gottes Herz überfließt. Infolgedessen kann Sie von der Göttlichen Macht unbegrenzt Gebrauch machen, mit Ausnahme der schöpfenden Macht, die der Allerhöchste für Sich Selbst behalten hat.
Wenn Maria spricht, ist es für die Schöpfung so, als ob Gott Selbst spricht. Wenn Sie handelt, ist es für die Schöpfung so, als ob Gott Selbst handelt. Wenn Sie will, ist es für die Schöpfung so, als ob Gott Selbst will. Wenn Sie befiehlt, ist es für die Schöpfung so, als ob Gott Selbst befiehlt.
Diese einzigartige weitgehende Einheit von Maria mit Gott kommt auf eine besondere Weise in Ihrer vollkommenen Beherrschung der Tugend der Hoffnung zum Ausdruck. Die Hoffnung ist die Verfassung, wodurch die Seele es so sieht, dass alle Finsternis nur Schein ist und das Licht die wahre Wirklichkeit ist. Maria ist so tief durch Gottes Geist beseelt, dass Sie die stille Sicherheit trägt, dass das Gute ohne Zweifel kommt, sogar in einem Augenblick, in dem Ihre Erwartung allen Schein gegen sich hat. Aus diesem Grunde bekommen die Kräfte der Finsternis wirklich keinen Zugriff auf Marias Seele und hat Sie eine unbegrenzte Macht über alle Versuchungen zu negativen Verfassungen, Entmutigung, Zweifel oder innere Unruhe. Marias Leben bietet ein Übermaß an Gelegenheiten, die Hoffnung zu verlieren.
Sie ist total durchdrungen von der Sicherheit, dass alles, was Sie tut, sagt und empfindet, in einer Art Göttlichen Sammelbecken von Verdiensten zusammengebracht wird, welche die ganze Menschheit gemeinsam ansammelt und woraus Gottes Liebe unaufhörlich Gnaden für die Seelen bereitet. Bereits als Kind sagte Maria zu Gott: „Wie sehr stehe Ich bei Dir in der Schuld; denn das Größte, was Du der Seele geben kannst, kann Ich Dir nie zurückbezahlen: das Leben. Das Leben, Mein Gott, ist das Fundament aller Verzückungen; denn das Nichtlebende hat keine Kenntnis von seinem Schöpfer und Seiner Liebe.“
Marias Herz ist fortwährend maximal geöffnet; denn Sie lebt jeden Augenblick Ihres Lebens, als ob Sie alles, was in der Zukunft liegt, bereits bekommen hat. So sagt Sie: „Mir mangelt es an nichts, Mein Gott; denn Ich besitze Dich sogar in Meinen Gedanken und Erwartungen.” Damit meint Sie, dass Sie in Ihren Gedanken und Erwartungen alles mit Gott verbindet und so aus dem Gefühl heraus lebt, dass Gott alles in Ihrem Leben in Sich Selbst tränkt, sodass jedes Geschehnis, jeder Kontakt mit Menschen, jede Situation und alles, was in Maria vorgeht, bereits die Frucht der Göttlichen Werke in sich trägt und dass all diese Früchte bereits auf ihren jeweiligen Zeitpunkt warten, um vollreif zu werden.
In dieser Verfassung hat die Hoffnung den Grad von Vollkommenheit erreicht: Jeder Augenblick des Lebens wird in dem Gefühl erfahren, dass sich alles bereits verwirklicht hat, da Gott unaufhörlich mit der Seele und ihren Interessen beschäftigt ist. Diese Verfassung verschafft Maria den totalen Frieden des Herzens, vollkommene innere Ruhe, Vertrauen und eine Art Befriedigung: Sie lebt in dem Gefühl, dass in jedem Augenblick Ihres Lebens all Ihre Bedürfnisse befriedigt sind, mit der einzigen Ausnahme des Bedürfnisses, tatsächlich im Himmel zu leben, damit die Vereinigung mit Gott absolut und vollkommen bleibt.
Aus diesem Grunde wird Sie in Ihren letzten Lebensjahren von diesem Zustand inneren Sehnens nach Gott beherrscht werden, wie eine mystische Wehmut, die Verzückung und Schmerz zugleich ist. Dennoch ist Sie jeden Augenblick Ihres Lebens total in das Göttliche Leben aufgenommen. Auch dasjenige, wonach Sie noch verlangt (nicht für Sich Selbst, sondern für die Seelen und für Gottes Heilsplan), erfährt Sie im Geiste bereits als befriedigt, weil Sie es so betrachtet, dass Gott es bereits mit Seinem Wirken bekleidet hat und es also nur eine Frage der Zeit ist, ehe die Früchte davon sichtbar werden.
Maria weiß, dass manche dieser Früchte nicht mehr während Ihres irdischen Lebens vollreif werden, aber Sie hat damit vollkommenen Frieden, weil Sie nicht für Ihre irdische Lebenszeit lebt, sondern für die Ewigkeit. Auch hieraus geht Ihre weitgehende Einheit mit Gottes Willen hervor.
Maria kennt keinerlei Zweifel. Zweifel lässt die Seele wanken. Dies kann aber nur geschehen, wenn die Seele ihre Grundfeste nicht vollkommen in Gott hat. Die Seele gründet sich selbst in Gott durch das Verlangen nach Gott als Mittelpunkt von allem in ihrem Leben. In diesem Verlangen wächst Hoffnung zu ihrer absoluten Vollkommenheit aus, die „Sicherheit“ heißt. Sobald die Seele den Versuchungen des weltlichen Lebens nachgibt, erlaubt sie, dass ihr Verlangen nach Gottes Wirken in ihrem Leben verringert wird und als Frucht davon erntet sie den Zweifel, die mannigfaltigen Gefühle von Unsicherheit, die innere Unruhe, die Neigung zum Grübeln und letztendlich die Trübseligkeit, Niedergeschlagenheit, Depressivität, die bis zur Verzweiflung und Ratlosigkeit geht.
In keinem Augenblick während Ihres Lebens, sogar nicht beim Anblick Ihres sterbenden Sohnes auf Kalvaria verliert Maria die Hoffnung, weil Sie weiterhin auf die verborgene Reifung der Saat von Gottes Werken vertraut und Sie Ihm weiterhin den absoluten Stellenwert in Ihrem Leben gibt. Maria wird diese ganze Verfassung Ihres Herzens und Ihrer Seele während Ihres Lebens auf viele Seelen übertragen, und zwar durch Ihre Seinsweise und in bestimmten Fällen durch Ihre Worte, die Sie fühlbar aus einem Feuer spricht, das Träger von Gott Selbst ist.
Das hiernach wiedergegebene Gespräch, wovon unsere Herrin mich in Wort und Bild zum Zeugen gemacht hat, zeigt Maria „in Aktion“, als eine Frau, die ein Opfer von Verzweiflung geworden ist, Sie bittet, Sie möge ihr Herz für Ihre Wirkung erschließen, und Sie bittet, Ihre Hilfe und Ihren Segen empfangen zu dürfen.
Es wird mir gezeigt, wie die Frau anklopft — als Maria ihr öffnet, vor Ihren Füßen auf die Knie fällt und Sie als „heilige Frau“ anspricht — wie Maria ihr sofort aufstehen hilft, sie kurz umarmt und sie bittet, mit Ihr in den Garten zu kommen. Danach sehe ich plötzlich die folgende durchgehende Szene: Die beiden Frauen sitzen auf einer Holzbank, die neben herrlichen roten Kletterrosen aufgestellt ist. Die ganze Atmosphäre ist friedlich und verzückend, mit Ausnahme der Frau, die weint. Ich sehe und höre wie folgt:
(Ich will dazu bemerken, dass mir auffällt, wie gleichmäßig Marias Stimme während des ganzen Gesprächs klingt: sanft, zart, liebevoll, vollkommen gleichmütig.)
Frau: „Ich habe solche Angst vor der Zukunft.”
Maria: „Wovor hast du Angst?”
Frau: „Ich fürchte den Zorn Gottes.”
Maria: „Warum sollte Er gegenüber Seiner Tochter zornig sein?”
Frau: „Weil ich ein sündhaftes Leben geführt habe.”
Maria: „Du wirst Seine Liebe erfahren.”
Frau: „Nein, ich bin dessen nicht würdig.”
Maria: „Gott hat dich nicht gemacht, um dich verloren gehen zu lassen. Würde Derjenige, Der die vollkommene Weisheit ist, in Sein eigenes Fleisch schneiden? Er hat immerhin deine Seele mit etwas von Sich Selbst darin gemacht, ein Samenkorn, das Seine Lebenskraft und Seine Wünsche besitzt. Er verlangt so sehr, dass es eine Blume wird. Wenn Er dich ohne weiteres verloren gehen ließe, wäre es so, als ob ein Stückchen Seines eigenen Wesens in das Feuer geworfen würde und niemals mehr zu Ihm zurückkehren würde… Dies kann Er nicht… Du wirst Seine Liebe erfahren; denn das Blümchen muss blühen, und dazu hat es Sonnenlicht nötig. Seine Liebe ist das Sonnenlicht.“
(Die Frau lässt sich schluchzend von der Bank herab gleiten, fällt auf ihre Knie vor Maria nieder und küsst Ihre Füße, während sie schluchzend weint.)
Maria: „Stehe auf, Tochter, und werde eine Blume.””
Frau: (Sie richtet ihr Tränen überströmtes Angesicht zu Maria auf, will aber absolut vor Ihr auf den Knien bleiben.) „Wie kann ich jemals meine Sünden gutmachen?“
Maria: „Indem du eine Blume wirst.”
Frau: „Wie kann ich dies?”
Maria: „Indem du dich in Liebe verwandelst, du musst Liebe werden. Arbeite für Ihn, sprich für Ihn, esse für Ihn, schlafe für Ihn, vergib alles für Ihn und ertrage alles für Ihn. Tue dies alles und du wirst blühen. Wenn du niemals mehr verwelken willst, tue dann noch zwei andere Dinge...”
Frau: „Welche, o Frau?”
Maria: „Nimm Abstand von allem Groll und aller Bitterkeit über deine Vergangenheit und vertraue in allem blind auf Gott... Durch das Erste wirst du den Boden deiner Seele reinigen, aus dem sich die Blume nähren muss; durch das Zweite wird die Blume sich für Sein Licht öffnen.”
Frau: (nachdem sie ein Weilchen tief verwundert zu Maria aufgeschaut hat) „Warum habe ich so oft gesündigt, jedes Mal wieder?”
Maria: „Weil du an Seiner Liebe gezweifelt hast und daher auch selbst vergessen hast, Ihm deine Liebe zu geben. Daher ist dein Herz in Finsternis gefallen.
Frau: „Kann ich von dieser Finsternis befreit werden?”
Maria: „Nicht ‘werden’, du musst es selbst tun, mit Gottes Hilfe.”
Frau: „Wie?”
Maria: „Indem du Licht wirst, von innen heraus.”
Frau: „Wie?”
Maria: „Indem du jeden Augenblick deines Lebens mit Gott verbindest.”
Frau: „Wie muss ich dies tun?”
Maria: „Indem du nach Ihm über alles verlangst. Dein Herz wird gereinigt werden.”
Frau: „Kann ich lernen, wirklich nach Ihm zu verlangen?”
Maria: „Das kannst du, indem du die Vergangenheit als Sklaverei gegen dich selbst betrachtest und Gott als totale Befreiung.”
Frau: „Kehrt die Sklaverei denn nicht zurück, jedes Mal wenn ich an meine Vergangenheit zurückdenke?”
Maria: „Die Vergangenheit ist tot. Eine Tote kann nicht zurückkehren, aber du kannst wohl selbst dahin zurückkehren.”
Frau: „Wie kann ich dies verhindern?”
Maria: „Dadurch, dass du deinen Willen Gott überträgst“
Frau: „Werde ich dann nicht aufs Neue Sklave?”
Maria: „Nein, dann wirst du frei; denn Sein Licht wird in all deine Taten, in all deine Wünsche, in all deine Gedanken überfließen, deine Blume wird blühen, dein Herz wird den wahren Frieden finden und du wirst frei und glücklich sein. Nichts in dir wird noch das Bedürfnis fühlen, nach deiner Vergangenheit zurückzukehren; denn du wirst das wahre Leben erfahren. Das wahre Leben ist der Garten Gottes. Würdest du diesen verlassen, um zur Wüste zurückzukehren?”
Frau: (Weint aufs Neue, doch jetzt deutlich vor Rührung.) „Wie kann ich Dir danken, Frau?“
Maria: „Indem du eine Blume bist. Eine Blume ist Leben, Leben ist Licht, Licht schafft neues Licht. Sei eine Blume und du wirst in all deinen Taten Licht erfahren.”
Frau: „Kann jede Seele eine Blume werden?”
Maria: „Jede Seele muss eine Blume werden.”
Frau: „Gefällt die Seele Gott nur, wenn sie eine Blume ist?”
Maria: „So ist es. Um eine Blume zu werden, muss die Seele nach Gott verlangen. Um eine Blume zu bleiben, hat sie drei Dinge nötig: Liebe, die ihr Schönheit schenkt — Glauben, der ihr Kraft schenkt — und Hoffnung, die ihr ein verzückendes Parfüm schenkt. Durch dieses Parfüm zieht sie fortwährend Gott und Seine Werke und Gnaden zu sich hin.”
Die Hoffnung sorgt dafür, dass die Seele fortwährend im Göttlichen Licht lebt. In einer Seele, die Herrin über die Hoffnung ist, geht die Sonne nie unter, sie kennt keine Finsternis im Gemüt noch in Gedanken. Dies umreißt gleich das ganze Wesen von Maria: total erfüllt vom Göttlichen Licht, von Göttlicher Macht, von Weisheit, von Frohmut mit absoluter Macht über alle Finsternis und in einer unerschütterlichen Zufriedenheit und innerer Ruhe, in dem Wissen, dass alles in Ordnung kommt, weil es nicht anders in einer Seele sein kann, die Gott den ersten Platz in ihrem Leben gegeben hat.
Das Sprichwort “Wo Leben ist, da ist Hoffnung” hat eine spirituelle Tiefe, die viel weiter geht als das Sprichwort vermuten lässt: Das wahre Göttliche Leben wird im weitgehenden Maße von der Hoffnung instand gehalten; denn eine gut entwickelte Hoffnung sorgt dafür, dass die Seele ihre innere Erfahrungswelt rund um das Licht konzentriert.
Daher blühen im Unbefleckten Garten die Narzissen so üppig: Sogar in den unzähligen Stunden von Schmerz, die Maria durchleidet, strahlt in Ihr bereits die Sonne der Auferstehung. Für Sie sind die Schmerzen der persönliche Beitrag der Seele zu dem Schatz, der danach auf die ganze Menschheit ausgegossen werden wird. Dies ist die Erfüllung Ihrer tiefsten Wünsche: die Werke zu tun, die helfen, das einzige Bedürfnis Ihres Geliebten zu befriedigen, nämlich zur Gründung von Gottes Reich auf Erden beizutragen.
Der Zement für dessen Fundament wird von der Göttlichen Vorsehung geliefert, muss aber durch die Tränen der Seele während der Prüfungen auf ihrem Lebensweg gehärtet werden. Durch die Vollkommenheit in der Hoffnung freut Maria Sich bereits auf das vollendete Bauwerk, das Sie vor den Augen Ihrer Seele sieht, während Sie noch dabei ist, den Zement mit Ihren Tränen zu mischen. Daher sind für Sie die Tränen der Kreuze des Lebens nichts weniger als Akte von Liebe zu Gott, der Seinem Teil des Bundes mit der Seele unfehlbar nachkommt.
2. Befruchtung der Seele im Unbefleckten Garten
Ich lasse mich durch die endlosen Schönheiten im Unbefleckten Garten von Maria, die eine grenzenlose Hoffnung ausstrahlt, in Verzückung bringen. Ich biete Ihr mein Herz an, damit ich bereit bin, total in Ihr aufgenommen zu werden. Ich verlange so sehr, dass die Herrlichkeiten des Lustgartens der Allerheiligsten Dreifaltigkeit in mich überfließen können.
„O Maria, Unbefleckte Königin von Zeit und Ewigkeit, wie sehr wünsche ich, in Deinem Garten mit der Saat des Göttlichen Lebens befruchtet zu werden.
Darf ich aus den Quellen Deiner unübertroffenen Heiligkeit trinken?
Darf ich von den Früchten Deiner Tugenden essen?
Darf ich mich mit dem Tau des Heiligen Geistes reinigen?
Darf ich an den Verzückungen Deiner Schönheit von Herz und Seele Anteil haben?
Darf ich den Schutz Deiner Macht über alle Versuchung und Sünde genießen?
Darf ich in Dir in der Brise der Ewigen Wahrheit aufgerichtet werden?
Geruhe, mich von der Schwäche meiner verletzten Seele zu heilen.
O Unbefleckter Garten aus Gottes Hand, geruhe, mir die vollkommene Einheit mit Dir zu erwirken, damit ich in Deiner Nachfolge zum Bild und Gleichnis Gottes werden möge.“
O Spiegel von Gottes Licht, während des Aufenthaltes in Deinem Unbefleckten Garten darf ich die Blumen und Früchte schauen, die der arme Garten meiner Seele braucht, um gesund und fruchtbar zu werden und zu bleiben. Ich bitte Dich, Deine Saat des Göttlichen Lebens mit Dir teilen zu dürfen:
1. Herrin meiner Seele, auch in allen dunklen Stunden sind die Augen Deiner Seele nichts als dem Licht gefolgt und hast Du unendliche Kräfte aus dem Wissen geschöpft, dass Gottes Liebe auf die Seelen wartet. Ich bitte Dich, gieße in mich die Kraft der Tröstung durch die vollkommene Liebe Gottes, der zu Seiner Zeit für mich das Gute bereiten wird.
2. Herrin meiner Seele, die Aussicht auf den ewig dauernden Frieden nach dem irdischen Leben spornte Dich unaufhörlich dazu an, immer neue Kräfte zu erschließen. Ich bitte Dich, schenke mir das Vermögen zu einem intensiven und beharrlichen Einsatz durch die Erwartung von Gottes Schätzen im Himmelreich.
3. Herrin meiner Seele, in Dir war in schweren Stunden die grenzenlose Hoffnung wie eine Sonne für Dein Herz. Ich bitte Dich, schenke mir die Hoffnung als Quelle von Wärme, wenn meine Sündhaftigkeit meine Seele und mein Gemüt kalt werden lässt.
4. Herrin meiner Seele, Dein Glaube an Gottes Werke hat Dich zu einer unerschütterlichen Burg gemacht. Ich bitte Dich, stärke meinen Glauben an Gottes Vorsehung, damit alle Zweifel und Unsicherheiten aus mir verbannt werden.
5. Herrin meiner Seele, Deine Erwartung des Sieges des Guten verhinderte, dass sich Deine Streitmacht jemals verringerte. Ich bitte Dich, lass nicht zu, dass mein Herz durch die Entmutigung verfinstert wird, die mich zum Opfer aller Versuchungen macht, die Schwelle zu jeder Sünde herabsetzt und mich dazu veranlasst, den Kampf für das Gute aufzugeben.
6. Herrin meiner Seele, die Lasten auf Deinem Lebensweg waren für Dich keine Hindernisse, sondern Ermutigungen. Ich bitte Dich, beherrsche mein Herz so tief und so total, dass die Prüfungen des Lebens mich nie dazu veranlassen, mich ganz und gar aus meinem von Gott vorgesehenen Lebensauftrag zurückzuziehen und mich zu weigern, mein tägliches Kreuz weiterhin zu tragen.
7. Herrin meiner Seele, das totale Vertrauen auf Gottes Liebe schützt die Seele gegen Entmutigung, wenn ihre Werke wenig sichtbare Früchte tragen. Ich bitte Dich, geruhe, mich von der Erwartung zu heilen, dass Gottes Schätze sich mir bereits während meines Lebens auf Erden offenbaren werden. Lehre mich, Freude und Kraft aus der Erwartung der ewigen Glückseligkeit im Reich des Himmlischen Friedens zu schöpfen.
3. Blüte des eigenen Gartens – Marias Frühling in der Seele
Die Narzissen sollten in jedem Seelengarten blühen; denn sie können als die ausgereifte Frucht der erlösenden Leiden gesehen werden: als die Auferstehung. Die Seele, welche die Hoffnung nicht in ihrer Fülle in sich zur Reifung bringen kann, kann dies lernen.
Die unten stehende Betrachtung kann uns lehren, auf das Leben mit all seinen Prüfungen und Lasten total anders zu sehen. Die Unbefleckte Herrin lehrte mich diese Einstellung in der Anfangsperiode meiner Berufung zu Ihrem Dienst, als Sie begann, mich in der totalen Nachfolge Ihrer eigenen Seelenverfassungen auszubilden. Es ist eine Weise des Betrachtens, die uns womöglich nicht sofort gelingen wird, weil Maria mir diese im Rahmen meiner Ausbildung zu einem Leben in der marianischen Mystik geschenkt hat, einer Erfahrungswelt, die sehr ungewöhnlich („überirdisch“) ist. Sie verlangt ein totales Loskommen von dem weltlichen Empfinden, wobei die Seele gleichsam „aus sich selbst tritt“, um „von außen herab auf sich selbst zu schauen“.
Maria sagte mir in dieser persönlichen Unterrichtung, dass dies die Seele lehrt, von sich selbst Abstand zu nehmen und so zu leben, als ob ihr Leben auf Erden bereits vorbei wäre, und so von einer Ebene, die weit über dem Irdischen steht, auf unseren Lebensweg zu schauen. Sie fügte dem hinzu, dass diese Erfahrung (die in einer Seele, die von Maria in der Mystik geöffnet worden ist, schnell aufgerufen und beinahe ununterbrochen instand gehalten werden kann) der Seele zugleich helfen kann, ihre eigenen Verfassungen auf eine Weise sehen zu lernen, die irgendwie mit der Weise vergleichbar ist, mit der Gott auf eine Seele schaut. Während eines echten mystischen Kontaktes gibt diese Erfahrung ein Gefühl von weitgehender „Befreiung von sich selbst“.
Maria erlaubt, dass ich mit Ihrer Hilfe versuche, in Worte zu fassen, was wir tun können. Diese Übung ist ein außergewöhnlich mächtiges Mittel, um in der Tugend der Hoffnung über uns selbst hinaus zu wachsen.
Versuchen wir, uns fortwährend vorzustellen, dass unsere Seele auf unserem Lebensweg vor unserem stofflichen Leben (mit all seinen stofflichen Lasten) läuft: Sie schaut gleichsam von der Zukunft aus auf jede Erfahrung zurück, die wir im stofflichen Leben durchgemacht haben, sodass wir das Gefühl bekommen, dass in dem Augenblick, in dem wir eine Prüfung erleben, diese für unsere Seele bereits hinter uns liegt und sie davon also bereits befreit ist. So werden wir uns das Gefühl angewöhnen, dass unsere Seele von allen Lasten des Lebens auf Erden ganz und gar frei ist (und bleibt) und dass alle Lasten überwunden sind.
Dieses ist zum Beispiel die Verfassung von Jesus, der während Seiner Leiden bereits den Zustand der Auferstehung, der Verherrlichung erlebte, wobei Er die Erfahrung der Betrachtung von Millionen Seelen in allen Jahrhunderten durchmachte, die durch das Leiden erlöste wurden, das Er gerade dabei war zu ertragen. Ohne diese Verfassung wäre Sein Leiden menschlicher Weise nicht zu ertragen gewesen. So werden wir auch lernen, viel gleichmütiger durch all unsere Tage zu gehen; denn wir lernen, dann mit der Freude der Seele danach zu schauen, die gleichsam bereits die Glückseligkeit des Lebens nach diesem irdischen Leben kostet und sich über die Verdienste des Leidens freut, das unser Leib und unser Herz noch durchmachen.
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