15. Spaziergang im Unbefleckten Garten Mariens – Der innere Friede und der Gleichmut
1. Erkundung des Unbefleckten Gartens
Jeder Spaziergang in dem Unbefleckten Garten bringt Verzückungen tiefen Friedens in die Seele. Der Anblick der unendlichen Schönheiten, die höchst lieblichen Klänge, die der Schöpfer einst vorgesehen hat, das sanfte Streicheln der Sonne des ewigen Frühlings, die wahrlich Göttlichen Blumenparfüms, die Verzückung bringen, und der Geschmack vollkommen reiner Früchte, die das Göttliche Leben schenken: Alle Sinne werden hier auf eine überweltliche Ebene gehoben, weil dieser Garten nichts mehr mit der Welt gemein hat. Der Boden, die Luft und aller Bewuchs dort zwischendrin: Alles atmet hier die unberührte Heiligkeit, die Gott als höchstes Geschenk für die Seelen bereitet hat.
Im Unbefleckten Garten stehen die immergrünen Bäume und Sträucher, Nadelholzgewächse und allerlei Nadelbäume, Symbol für den vollkommenen Frieden des Herzens und des vollkommenen Gleichmuts, die für die absolute Abwesenheit der Sünde kennzeichnend sind. Die immergrünen Nadelholzgewächse und verwandte Bäume und Sträucher setzen ein Zeichen von Hoffnung: die Hoffnung, die so vollkommen ist, dass sie zur Sicherheit geworden ist, die Sicherheit, dass das wahre Leben niemals verwelkt.
Schauen wir auf diese Bäume und Sträucher: Wie unbeirrbar erscheinen sie. Und sehen wir, was sie in der Seele vergegenwärtigen: Sogar wenn die Umgebung belastend wirkt, bleiben sie grün und scheinen sie all ihre Lebenskraft zu bewahren. Sie schütteln wohl ihre Nadeln ab; denn die wahrlich gesunde Seele reinigt sich regelmäßig von üppigem Ballast, sie befreit sich von Anhänglichkeiten und von Einflüssen, die besser nicht genährt werden, aber sie verlieren inzwischen nicht ihren grünen Schmuck.
So geht es auch in der heiligen Seele: Sie reinigt sich zwar, fällt jedoch inzwischen nicht negativen Verfassungen zum Opfer, die das wahre Leben in ihr bedrohen oder anfressen. Jedes Wetter und jeder Wind, die Jahreszeiten der wechselnden täglichen Prüfungen können das Nadelgehölz anscheinend nicht zerstören.
Schauen wir die Allerheiligste Jungfrau, Schatzkammer endloser Verzückungen. Jeden Augenblick Ihres Lebens ist Sie vollkommen frei von Leidenschaften (im weitesten Sinne: Gemütsregungen, die von Gottes Absichten und Plänen abweichen). Ihr Gemüt ist vollkommen in Übereinstimmung mit dem von Gott Selbst. Ihr innerer Friede ist total. In Ihr ist keine Spur von Negativität in allem Fühlen, Denken und Erfahren. In allem sieht Sie nur das Gute und von allem erwartet Sie nichts als das Gute. In Ihr ist denn auch keinerlei Jähzorn, Unverträglichkeit, Kritiksucht, Unfreundlichkeit, Unfriede des Gemüts, Bitterkeit, Groll, Hass, Unzufriedenheit, Eifersucht, keine negative Herangehensweise an alles und jeden, kein Gejagtsein der Seele, die fortwährend das Gefühl hat, dass sie von unsichtbaren Angreifern bedroht wird. Dies alles fällt im Grunde genommen unter den Namen „mangelnde Liebe“, und Maria ist vollkommene Liebe, vollkommener Friede des Herzens, Ruhe in der Seele, Sanftmut, Verträglichkeit, Milde, liebenswürdige Freundlichkeit, Wohlwollen, frohgemute Hingabe, Vertrauen, Glaube und stille Ergebenheit in dem Bewusstsein, dass alles im Leben in guten Händen liegt.
Alle Formen von Unfrieden im Herzen weisen auf einen Mangel an Widerstand gegen Versuchungen hin. Der wirkliche Friede des Herzens weist auf Gottes Wohnen und Herrschaft in der Seele hin und auf die Tatsache, dass die Seele ihre volle Hoffnung auf die Wahrheit gesetzt hat, dass das Licht das letzte Wort hat.
Diese Verfassung hat in Maria das größte Vorbild gefunden. Auf Golgotha steht Sie zwar, um im Herzen unter den schrecklichen Geißelschlägen des Anblicks der Sünde und der Folgen der Sünde in der Seele zu sterben, doch Ihr Mut bleibt unerschütterlich, weil Sie vollkommen in Gott geborgen bleibt. Ihre Liebe, Ihr Glaube und Ihre Hoffnung haben die wahre Hochzeit mit Gott geschlossen und zusammen als Frucht den absoluten Frieden des Herzens geboren. Dennoch sind die Versuchungen in diesen Stunden für Sie eine endlose Qual: Satan scheut keine Mühe, Ihr Herz in seinen Flammen von Unfrieden, Zweifel und Entmutigung zu rösten.
Die Königin und Herrin über alle Finsternis herrscht aber weiterhin. Keinen Augenblick ist Sie von Ihrem Thron von Unerschütterlichkeit und Frieden gestoßen worden, und Sie wird dies auch nicht in diesen Stunden zulassen, in denen die Macht der Sünde vor Ihren eigenen Augen an der Gottheit festgenagelt worden ist. Sie weiß sehr gut, dass die Finsternis auf Golgotha dabei ist, Selbstmord zu begehen, ausgerechnet in der Stunde, in der sie scheinbar, für weltliche Augen, den größten Sieg erringt: den Gottesmord. Maria bewahrt Ihren inneren Frieden und Gleichmut durch die Kraft der totalen Weihe: Sie weiß, dass alle Leiden neues Leben geben, und verbindet daher in den unergründlichen Tiefen Ihrer Seele jeden Augenblick schweren Schmerzes mit dem Herzen Gottes. So zeigt Sie Sich bereits beim Kreuz des Erlösers als Transformator (= Umwandler), der Finsternis und Sterben in Licht und Leben umsetzt.
Wie kann Sie dies tun? Sie kann dies tun, indem Ihr Friede des Herzens Ihr die Geistesgegenwart und die tief verlangende Liebe schenkt, Gott in alles einzubeziehen und Sich unaufhörlich Selbst (oft um den Preis schwerer Leiden) als Unterpfand (als Bezahlmittel) hinzugeben für die Gnade Göttlichen Lebens für die Seelen. Darin beweist Sie Ihr angeborenes Recht, neben dem Göttlichen Erlöser als die wahre Miterlöserin Heilsgeschichte zu schreiben. Maria weiß sehr gut, dass die Seele die Finsternis anzieht, sobald Unfrieden in das Herz hineinschleicht. Sie weiß, dass auch aus diesem Grunde die Seele im Stande inneren Unfriedens dazu geneigt ist, allerlei Missgeschick anzuziehen, weil Satan versucht, dadurch diese Seele, die bereits für allerlei Versuchungen empfänglich ist, zu entmutigen.
Bei Ihrer Unbefleckten Empfängnis sind die Füße der Himmlischen Königin mit der absoluten Macht gesalbt worden. Sie wird Ihr ganzes Leben lang Satan, sein Gefolge und all seine Werke unter Ihren Füßen halten, damit er erkennen möge, das Sie durchaus das ist, was er immer zurückgewiesen hat: die Herrin aller Seelen, auch jener aus dem ewigen Abgrund.
Im Unbefleckten Garten wogt sanft die Brise des Heiligen Geistes, der Weisheit und Frieden schenkt. Diese Brise ist mit der Fähigkeit ausgestattet, jeden Wind, der von außerhalb auf die Seele einschlägt, zur Ruhe zu bringen. Kein Sturm im Leben der Unbefleckten Jungfrau besitzt das Vermögen, in dem Garten Ihrer Seele auch nur ein einziges Blatt von einem Baum fallen zu lassen, auch nur einen einzigen Stängel einer Blume abzuknicken oder das Wasser Ihres Gemüts in Bewegung zu bringen. In diesem Garten geschieht nichts, das nicht von Gott selbst gelenkt wird, weil Sie Selbst dies ausdrücklich nicht will.
Maria schützt Sich Selbst ein Leben lang gegen die verheerenden und beunruhigenden Auswirkungen der Winde und Stürme von weltlichen Einflüssen, weil Sie in der tiefen Überzeugung lebt, dass Ihre Seele vollkommen Gott gehört und Sie die Verantwortlichkeit für das Maß trägt, in dem Gott Seine Werke in Ihr und durch Sie vollziehen kann. Sie weiß, dass jedes Mal, wenn die Seele sich durch die Einflüsse aus dem täglichen Leben stören oder beunruhigen lässt, sie nicht mehr die Werke vollbringen kann, wozu sie berufen worden ist.
So bietet die Unbefleckte Jungfrau einen Anblick vollkommener Selbstbeherrschung in allen Stunden, in denen das Leben Ihr Gemüt auf die Probe stellt. Wenn die Umstände des öffentlichen Lebens in Israel mit sich bringen, dass Sie mit Josef wegen der römischen Volkszählung nach Bethlehem ziehen muss, eine Reise von ungefähr 150 Kilometer durch eine hügelige und hier und da unwirtliche Landschaft, auf einem Esel und unter manchmal rauen Wetterbedingungen, trägt Sie dieses Opfer und alle Lasten davon in einer Verfassung intensiver Weihe und Dankbarkeit.
Bereits während Ihrer zarten Jugendjahre hat Sie Sich bei jeder plötzlichen Veränderung in Ihrem Leben auf diese erstaunliche Weise angepasst. Sie hatte darin immer meisterhaft Erfolg, weil Sie darin Erfolg haben wollte: Den Inneren Frieden und den Gleichmut zu bewahren, ist nach Marias Auffassung die auserlesene Gelegenheit, in der Dankssagung gegenüber der Göttlichen Vorsehung vollkommen zu sein. Maria lebt für das Opfer und macht ausgerechnet dasjenige, was das Gleichgewicht in einer Seele stören kann, zur Quelle inneren Friedens, indem Sie so tief in Gottes Herz versinkt, dass Ihr Verhalten in den Augen Ihrer Umgebung so gut wie nichts „Menschliches“ zu haben scheint. Und Sie bittet unaufhörlich, damit alle Seelen in allen Jahrhunderten an dieser Verfassung totalen Friedens Anteil haben.
Genau in diesem allen verbirgt sich der unaussprechliche Verdienst von Maria: Jede Sekunde Ihres Lebens ist ein aktives Streben, den vollkommenen Frieden des Herzens als eine unerschöpfliche Quelle der Verherrlichung von Gottes Vorsehung zu bewahren. Oft höre ich Sie in schweren Stunden sagen: „Alles ist gut, Mein Gott, weil es aus Deinem Herzen und aus Deiner Weisheit hervorgeht.“
Weil Sie Sich fortwährend des unschätzbaren Wertes des Friedens im Herzen bewusst ist, wacht Sie Selbst auch darüber, jeden Augenblick den inneren Frieden Ihres Mitmenschen vollkommen instand zu halten: Über Ihre Lippen kommt kein einziges entmutigendes Wort, kein einziges Zeichen von Mürrischsein oder Unfreundlichkeit, kein einziges Wort, das irgendwie verletzen könnte. Bei allem, was Sie sagt, und die Weise, auf die Sie es sagt, ist Ihre erste Sorge, dass es bei Ihrem Mitmenschen wie eine Salbung ankommt. Während Sie spricht und handelt, lässt Sie Sich vom Herzen Ihres Mitmenschen lenken, eher als von Ihrem eigenen Herzen, weil Sie unaufhörlich danach verlangt, dass Ihr Mitmensch Gottes Nähe fühlen möge.
Ihr ganzes Leben strebt Sie in all Ihrem Tun, Lassen und Sprechen danach, dass die Windstille im Ozean Ihres eigenen Herzens sich über die Meere aller anderen Herzen ausbreiten möge, damit der wahre Friede unter die Menschheit kommt; denn Sie weiß, wie sehr alle Unruhe in den Herzen den Einflüssen seitens der Kräfte der Finsternis zuzuschreiben ist.
Maria sieht es als eine der größten Aufgaben Ihres Lebens, Ihren inneren Frieden instand zu halten und den inneren Frieden Ihres Mitmenschen zu fördern und durch nichts zu stören; denn Sie weiß, dass die Beherrschung aller Unzufriedenheit und aller Leidenschaften nicht nur das Fundament der eigenen Heiligung bildet (die Sie Selbst bereits in der Fülle ab Ihrer Unbefleckten Empfängnis besaß), sondern auch von der Gründung von Gottes Reich auf Erden. Ihre größte Qual in diesem Streben ist der Umgang mit allem Mangel an Liebe und an Frieden in Ihren Mitmenschen. Dieser fortwährende Kampf sollte die Grundlage Ihrer ewig währenden Schmerzen werden; denn jeder Unfriede in einer Seele legt in diese Seele die Saat, die bald von der Versuchung befruchtet wird, und weckt dann bald die Untugend und die Sünde zum Leben.
In den Nadelholzgewächsen, die im heiligen Boden des Unbefleckten Gartens wachsen, wird alles von Gottes Weisheit gelenkt, weil der Boden sich total Seiner Vorsehung übergeben hat. Die Bäume und Sträucher lassen sich nicht durch Einflüsse von außerhalb des Gartens (von den Mitmenschen und der Welt) berühren, weil sie sich im Innern vollkommen im Gleichgewicht befinden. Es ist dieses innere Gleichgewicht, das Marias Wirken so fruchtbar macht: Sie vergeudet weder Kräfte noch Zeit durch Kampf gegen den Unfrieden und Unruhe in Ihrer Umgebung, sondern konzentriert all Ihre Anstrengungen auf die Instandhaltung Ihres eigenen inneren Friedens, sodass Sie Ihrem unruhigen und unzufriedenen Mitmenschen nicht das Gefühl gibt, dass er von Ihr in seiner Lebensweise angegriffen wird, sondern vielmehr, dass er selbst die Feststellung macht, wie sehr Sie Gottes Kraft in Sich trägt, und er allmählich selbst das Verlangen entwickelt, an dieser geheimnisvollen Kraft und diesem ungewöhnlichen Gleichgewicht teilnehmen zu können.
Marias innerer Friede ruft inneren Frieden in Ihrem Mitmenschen hervor, Ihre Ruhe beruhigt die Stürme in seinem Herzen, Ihr Gleichmut heilt ihn allmählich von seinen Leidenschaften. Die unaussprechliche Macht von Maria geht nicht zuletzt von Ihrer unerschütterlichen Ruhe und Ihrem unbeirrbaren Frieden aus. Diese Macht, wodurch Sie Seelen so tief berührt, ist nichts anderes als die Fülle des Friedens Christi, des wahren Friedens des Herzens, der das Siegel der wahren Heiligkeit bildet. Wenn diese Nadelholzgewächse ihre Nadeln abschütteln, ist dies keine Äußerung von Reinigung des eigenen Gemüts, sondern eine Äußerung von Abbüßung des Ballastes, der viele Seelen so sehr beschwert, weil sie nicht wissen, wie sie die beunruhigenden Winde der Welt aus ihrem Garten halten.
2. Befruchtung der Seele im Unbefleckten Garten
Ich lasse mich durch die endlosen Schönheiten im Unbefleckten Garten von Maria, die einen vollkommenen inneren Frieden und einen unvergleichlichen Gleichmut ausstrahlt, in Verzückung bringen. Ich biete Ihr mein Herz an, damit ich bereit bin, total in Ihr aufgenommen zu werden. Ich verlange so sehr, dass die Herrlichkeiten des Lustgartens der Allerheiligsten Dreifaltigkeit in mich überfließen können.
„O Maria, Unbefleckte Königin von Zeit und Ewigkeit, wie sehr wünsche ich, in Deinem Garten mit der Saat des Göttlichen Lebens befruchtet zu werden.
Darf ich aus den Quellen Deiner unübertroffenen Heiligkeit trinken?
Darf ich von den Früchten Deiner Tugenden essen?
Darf ich mich mit dem Tau des Heiligen Geistes reinigen?
Darf ich an den Verzückungen Deiner Schönheit von Herz und Seele Anteil haben?
Darf ich den Schutz Deiner Macht über alle Versuchung und Sünde genießen?
Darf ich in Dir in der Brise der Ewigen Wahrheit aufgerichtet werden?
Geruhe, mich von der Schwäche meiner verletzten Seele zu heilen.
O Unbefleckter Garten aus Gottes Hand, geruhe, mir die vollkommene Einheit mit Dir zu erwirken, damit ich in Deiner Nachfolge zum Bild und Gleichnis Gottes werden möge.“
O Spiegel von Gottes Licht, während des Aufenthaltes in Deinem Unbefleckten Garten darf ich die Blumen und Früchte schauen, die der arme Garten meiner Seele braucht, um gesund und fruchtbar zu werden und zu bleiben. Ich bitte Dich, Deine Saat des Göttlichen Lebens mit Dir teilen zu dürfen:
1. Herrin meiner Seele, ich sehe Dich als Vorbild von Ruhe und Friede. Ich bitte Dich, erlaube mir, dass mein Herz an dem Gleichgewicht Deiner Gefühle und Verfassungen Anteil hat. Geruhe, mich von jeder Neigung zu plötzlichen Stimmungswechseln und zur Launenhaftigkeit zu befreien; denn Mangel an Standhaftigkeit im Gemüt macht die Seele so verwundbar.
2. Herrin meiner Seele, Dein innerer Frieden beruhte auf Deiner Anstrengung, tief in Deinem Herzen mit Gott, der Quelle allen Friedens, eins zu bleiben. Ich bitte Dich, mache mich stark gegen alle Einflüsse aus meiner Umgebung und gegen jede Prüfung auf meinem Lebensweg.
3. Herrin meiner Seele, wie unerschütterlich ist Dein Herz, das weiß, dass der innere Friede die Quelle aller Kraft ist. Ich bitte Dich, gib mir die Kraft und die Liebe, mit den verheerenden Auswirkungen aller Negativität und aller beunruhigenden Einflüsse aus meiner Umgebung abzurechnen.
4. Herrin meiner Seele, in Dir herrscht der vollkommene Glaube der Seele, die weiß, dass das Göttliche Licht immer das letzte Wort hat. Ich bitte Dich, heile mich von der Neigung, in allem erst das Schlechte zu sehen oder von allem erst das Schlechte zu erwarten; denn diese Verfassung stammt nicht aus den Quellen des Göttlichen Lebens.
5. Herrin meiner Seele, wie groß war Dein Bewusstsein der Notwendigkeit, Deinen Lebensauftrag gegen jede Beunruhigung zu schützen. Ich bitte Dich, geruhe, mein Herz so tief und so total zu beherrschen, dass keine einzige Äußerung von Unfrieden in mir eine Chance bekommt; denn aller Unfriede macht die Seele für ihre Berufung in diesem Leben wirkungslos.
6. Herrin meiner Seele, Du bist immer Herrin über Dein Herz geblieben und hast nicht erlaubt, dass es Opfer der Launen des weltlichen Lebens wird. Ich bitte Dich, erinnere mich an meine Pflicht, meine Seele gegen alle beunruhigenden Einflüsse aus meinem täglichen Leben zu stärken, damit sie die Werke vollbringen kann, wozu sie berufen worden ist.
7. Herrin meiner Seele, Du hast Deinen Lebensweg vollkommen in Gottes Hand gelegt. Ich bitte Dich, hilf mir, mich ohne Protest allem anzupassen, was in meinem Leben anders verläuft, als ich es erwartet hatte.
8. Herrin meiner Seele, ich lege mein Herz unter Deine Füße und bitte Dich, alle Gemütsbewegungen darin zu bändigen, bis sie Dir vollkommen unterworfen sind und ich nichts anderes mehr kann, als den wahren Frieden Christi über die Herzen meiner Mitmenschen auszubreiten.
3. Blüte des eigenen Gartens – Marias Frühling in der Seele
Ein Schiff auf einem turbulenten Meer kommt vom Kurs ab, kann dabei schwere Havarie erleiden, jedoch auch benachbarten Schiffen ernsthaften Schaden zufügen. Gott hat in dieses Schiff eine Ladung gelegt, die in dem von Ihm angewiesenen Hafen abgeliefert werden muss, aber es ist nicht imstande, diese Ladung unversehrt zum Bestimmungsziel zu bringen. Dies bedeutet mithin, dass dieses Schiff seinen Auftrag nicht erfüllen kann und also für die Reederei keinen Gewinn bringt.
Dieses Bild bedeutet nichts anderes als dieses: Wenn unsere Seele nicht gegen die Stürme des täglichen Lebens besteht, kann sie ihre Lebensberufung nicht erfüllen, wie Gott dies von ihr verlangt. Sie kann dadurch weder ihr ewiges Heil verdienen noch helfen, das Heil für andere Seelen zu erkaufen. (Die Ladung, die sie in dem von Gott bezeichneten Hafen abladen muss, sind die Werke, die sie gegenüber anderen Seelen verrichten muss, um innerhalb von Gottes Plänen ein fruchtbares Leben zu führen.) Weil das Schiff keine Kontrolle über den Zustand des Ozeans hat, muss sie dieses Problem bewältigen, indem sie an sich selbst arbeitet. (Die Seele muss sich anstrengen, in allen Tugenden stärker zu werden.) Dadurch wird das Wasser „weniger Macht über das Schiff bekommen“.
Lassen wir uns von dieser Wahrheit durchdringen: Sobald die Seele beginnt, mit beharrlichem Verlangen nach der wahren Heiligkeit an sich selbst zu arbeiten, wird Gott ihr auf allerlei Weisen beistehen, tief in sich selbst ein total neues Gleichgewicht zu finden. Die Stürme wird Er nicht wegnehmen; denn dies würde die Verdienste des Schiffes in diesem Kampf vermindern, aber Er wird helfen, die Ladung im Innern so sehr zu festigen und in ein besseres Gleichgewicht zu stapeln, dass das Schiff sich immer weniger durch die Stürme außerhalb von sich belästigt fühlt.
Wir können wie folgt daran mitwirken:
1. Versuchen wir regelmäßig zur tiefen Entspannung zu kommen, ziehen wir uns dabei in das Tiefste unseres Herzens zurück und schaffen wir dort eine Quelle von Nahrung für unsere Seele.
Es folgen drei Beispiele:
a) Machen wir unseren Geist leer: Denken wir an nichts. Stellen wir uns lebendig vor, dass wir an einem warmen Sommerabend in der weiten Natur sind, ganz und gar alleine, auch ohne im weiten Umkreis irgendein Haus zu erspähen. Wir fühlen das sanfte Streicheln der Abendsonne, die wir als eine herrliche orangenfarbige Scheibe tief über dem Horizont sehen können. Lassen wir den Duft vieler Blumen auf uns einwirken, während diese in der Abendwärme ihren bezaubernden Duft abgeben. Die einzigen Geräusche sind jene singender Vögel. Versuchen wir, dieses Gefühl jedes Mal in unserem Herzen zum Leben zu erwecken, wenn wir es schwer haben, Ruhe, Friede und Stille zu finden. Während dieses Gefühl in unser Herz zurückkehrt, sagen wir im Innern mehrmals langsam und tief zu Maria: „Himmlische Mutter, so hat Gott Dein Herz gemacht. Darf ich dieses Geschenk mein Leben lang mit Dir teilen?“
b) Wenn wir von allerlei Eindrücken von außerhalb überflutet werden, versuchen wir, zur Besinnung zu kommen und stellen wir uns lebendig vor, dass all diese Eindrücke wie peitschende Wogen auf dem Meer und wie heulende Winde sind, die gegen das Schiff unserer Seele hämmern. Unsere kreisenden Gedanken sind wie Seekrankheit in unserer Seele, wobei es scheint, als ob unser ganzes Wesen gegen den Sturm anschreit. Stellen wir uns nun lebendig vor, dass Maria in Ihrer Schönheit und friedvollen Ausstrahlung unser Schiff betritt, Ihre eine Hand nach dem tobenden Meer ausstreckt und Ihre andere Hand auf uns legt, und mit einer bezaubernden sanften Stimme sagt: „Schweig still, hier sei Ruhe, Frieden und Stille; denn Ich herrsche hier.“ Hören und sehen wir, wie das ungestüme Meer und auch unser eigener Leib, Geist und unser Herz Ihr gehorchen und stille werden, wie die Winde sich legen, das Meer sich glättet, die Luft blau wird. Spüren wir, wie tief wir Gottes Nähe in diesem vollkommenen Frieden erfahren und wie sich die Verfassung unseres Herzens verwandelt.
c) Stellen wir uns lebendig vor, dass wir einen Spaziergang in der weiten Natur machen. In dem Maße, wie wir uns von allen Häusern weiter entfernen, verschwinden alle Geräusche um uns herum, mit Ausnahme des Zwitscherns von Vögeln und ab und zu das leise Gesumm einer Biene. Rund um uns herum nichts als Bäume, Feldblumen allerlei Arten und Schmetterlinge. Alles, was wir sehen, dringt tief in unser Herz, als Symbole des Friedens, die Gott bei der Schöpfung in alle Geschöpfe gelegt hat. Lassen wir unser Herz durch diese Äußerung von Gottes Liebe reinigen und lassen wir unseren Geist durch die Strahlen einer sanften Sonne erleuchten. Wir werden von dem Gefühl durchströmt, dass alles in uns zu neuem Leben geweckt wird. Alles erinnert uns an Gottes Gegenwart. Lassen wir alle Sorgen des täglichen Lebens aus uns wegfließen; denn diese Erfahrungen erheben uns über dies alles hinaus, sodass alles plötzlich unwichtig wird. Atmen wir ruhig ein und aus und sagen wir aus der tiefsten Kammer unserer Seele: „O Maria, Königin der Schöpfung und des Bundes zwischen Gott und den Seelen, mache mein Herz für immer eins mit Dir.“
2. Lernen wir, alles stark zu relativieren: Halten wir uns gut vor Augen, dass alles, was uns Sorgen macht, nichts mehr ist als weltliche Mühsal, mit anderen Worten etwas, das vergänglich ist und das Teil unseres kurzen, stofflichen Lebens ausmacht, das im Vergleich mit dem ewigen Leben, das auf dieses irdische Leben folgt, total nichts darstellt.
3. Führen wir ein Leben innerer Verbundenheit mit Maria und Jesus in allen Details unseres Lebens. Lassen wir unser Seelenleben keine einzelnen Fächer innerhalb unseres täglichen Lebens sein, sondern eine ununterbrochene Erfahrung, die alles durchdringt: Nicht nur während des Gebets und der Heiligen Messe müssen unsere Gefühle und Gedanken auf die Dinge des Himmels gerichtet sein, sondern auch während unserer Arbeit, unserer Entspannung, unserer Mahlzeiten, usw.
4. Sorgen wir dafür, mit unserer Vergangenheit ins Reine zu kommen: Wenn Erinnerungen aus unserer Vergangenheit und alle Gefühle und Unruhe, die damit einhergehen können, immer wieder in uns nachwirken, tun wir gut daran, unsere Seele gründlich zu reinigen, und zwar im Sakrament der Beichte, durch aufrichtige Vergebung gegenüber all unseren Mitmenschen. (Diese Vergebung brauchen wir nicht notwendigerweise unmittelbar ihnen gegenüber auszusprechen, sie kann auch in unserem Herzen geschehen.) Versuchen wir, im Inneren zum Frieden zu kommen, auch im Zusammenhang mit allen eventuellen Erwartungen, die wir je hatten, die sich aber nicht verwirklicht haben: Überzeugen wir uns selbst von der einen Wahrheit, nämlich dass diese Erwartungen nicht eingelöst worden sind, weil Gott andere Pläne mit uns hatte, die für unsere Seele besser waren.
5. Streben wir nach immer größer werdender Entsagung. Das Leben auf dieser Welt ist voller Negativität, Unsicherheiten, Mangel an Liebe und beunruhigender Einflüsse. Auch die endlosen Bedürfnisse unseres Leibes und unsere Verhaltensweisen im Zusammenhang mit unserer Lebenswelt (oder in Reaktion darauf) machen unsere Seele immer wieder unruhig. Bitten wir daher Maria, die Herrin unserer Seele, dass Sie Ihre Macht in uns zur Geltung bringen möge, indem Sie uns hilft, aus dem Gefängnis, das das weltliche, stoffliche Leben um unsere Seele herum gebaut hat, zu entkommen. Dazu müssen wir uns selbst Ihr total hingeben („Maria, Herrin meines ganzen Wesens, ich gehöre Dir als Dein Besitz und Eigentum.“) und dann inbrünstig verlangen, dass wir von allen Scheinbedürfnissen befreit werden mögen (von Dingen, von denen wir denken, dass wir sie brauchen, während das ganz und gar nicht so ist: Naschen, bestimmte Gewohnheiten oder Handlungen, usw.) und nicht länger der Gefangene fester Lebensmuster sind (regelmäßige Kontakte mit Mitmenschen, usw.) Je mehr wir von all diesem befreit werden, desto freier werden unser Herz und unsere Seele werden und desto glücklicher und friedvoller werden wir uns fühlen. Wir werden beginnen, unser Leben mit ganz anderen Augen zu betrachten.
6. Üben wir uns in Zufriedenheit mit allem in unserem Leben. Jedes Mal, wenn wir in unserem täglichen Leben etwas erwarten, das plötzlich anders verläuft (sowohl in kleinen Details als auch in größeren Dingen), lernen wir dann zu unserer Himmlischen Herrin zu sagen: „Ich nehme auch dies für Dich an; denn offenbar hast Du etwas Besseres für mich gefunden.“ Wenn wir diese Haltung in unserem Leben systematisch anwenden, wird es uns bald erstaunen, welchen Frieden wir mit allem, was in unserem Leben geschieht, erfahren werden und wie viel Unruhe und Unzufriedenheit aus uns wegfließen werden.
Betrifft es wirklich materielle Rückschläge (die mit finanziellem Verlust oder Verlust an Gütern, Besitz, usw. zu tun haben), so opfern wir dies dann mit noch mehr Eifer Maria auf; denn dies sind die Opfer, die das meiste Heil in unsere Seele bringen. Mir ist offenbart worden, dass, wenn eine Seele, die ein Leben führt, in dem eher ein großer Akzent auf dem Materiellen liegt, einen finanziellen Rückschlag oder einen bestimmten Verlust an Gütern oder Besitz hinnimmt und es ihr gelingt, dieses Geschehnis oder diese Situation mit einem aufrichtigen Herzen Maria aufzuopfern, indem sie folgende Anrufung mindestens drei Mal langsam wiederholt: „O Maria, Herrin meines ganzen Lebens und meines Schicksals, ich gebe Dir diesen Verlust an weltlichen Gütern, damit ich das wahre Leben meiner Seele gewinnen möge“, diese Seele dadurch eine beträchtliche Tilgung ihrer notwendigen Läuterungszeit im Fegfeuer bekommt.
Eine vollkommene Heilung im Herzen wird diese Seele ebenfalls erwarten dürfen, wenn sie sich total und bedingungslos Maria weiht und Sie ausdrücklich um den wahren Frieden der Befreiung aus dem Griff des weltlichen Denkens und Strebens bittet.